Der EV Zug gilt als Musterbeispiel eines professionell geführten Sportunternehmens. Ein Verein, der umsichtig, ruhig und mit geduldiger Hand von Vereinspräsident Dr. Hans-Peter Strebel, CEO Patrick Lenwgiler und Sportchef Reto Kläy aufgebaut und zum Erfolg geführt wurde. Zumindest mit der Ruhe ist es nach dem grossen Knall endgültig vorbei. Und es könnte nicht der Letzte sein.
Bildunterschrift: Es handelt sich um ein KI-generiertes Symbolbild.
Diesen Beitrag habe ich während den Playoffs für die Blogseite von Swisshockeynews.ch geschrieben, er wurde am 21. Juni 2026 publiziert. Während der Saison darf ich zu aktuellen Themen rund um den EV Zug und das aktuelle Geschehen längere Artikel und Kommentare schreiben.
Den Beitrag auf swisshockeynews.ch finden Sie hier.
Ach, wie herrlich ruhig war es doch geblieben. Wieder schien sich der EV Zug – trotz erneut enttäuschender Saison – dem branchenüblichen Aktionismus zu entziehen. So wie man dies in Zug eigentlich (fast) immer tut. Der Club arbeitete unaufgeregt weiter, installierte einen neuen Trainer und verlängerte den Vertrag mit Identifikationsfigur Raphael Diaz. Nun weiss man: Letzteres war Reto Kläys letzte, öffentliche Amtshandlung.
Der EV Zug verabschiedet sich in diesen heissen Sommertagen nicht nur schrittweise vom bisherigen Logo, welches den Verein symbolisch durch die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte trug. Sondern nun auch vom Architekten des sportlichen Erfolgs: Sportchef Reto Kläy. Die Trennung vom 47-Jährigen kommt aus dem Nichts – und soll gemäss der „Zuger Zeitung“ innerhalb des Clubs für Entsetzen gesorgt haben.
Nun kann man darüber diskutieren, ob die Trennung auf fachlicher Ebene richtig ist oder nicht. In Fankreisen ist die Personalie Kläy längst nicht mehr unumstritten. Aber die Diskussion darüber ist ohnehin müssig, den es scheint klar: Der Wechsel erfolgt nicht aufgrund der sportlichen Krise der letzten zwei Jahre. Vielmehr ist sie eine Folge von Differenzen in strategischer Hinsicht. An der Art und Weise gibt es mehrere Faktoren, welche kritisch zu betrachten sind:
1. Falscher Zeitpunkt
Solange es keine triftigen Gründe gibt, entlässt man in der Regel keinen Sportchef mitten im Sommer. Nicht wegen der neuen Saison, die Kaderplanung ist bis auf die Verpflichtung eines Import-Centers abgeschlossen. Sondern, weil die Planung für die Saison 2027/28 bereits läuft. Dass Schweizer Top-Spieler, und dem EVZ würde ein solcher guttun, nicht selten bis zu einem Jahr im Voraus unterschreiben, ist hinlänglich bekannt. Zudem wird sich Kläy bereits mit perspektivisch wichtigen Zukunftsfragen (Genoni-Nachfolge, auslaufende Verträge) beschäftigt haben.
2. Die Umgehung von CEO Patrick Lengwiler
Der entscheidende Faktor für die Empörung im Umfeld: Die Trennung erfolgt nicht, weil es Lengwiler so wollte – sondern weil es der Verwaltungsrat über dessen Kopf hinweg entschieden hat. Ein Fakt, den der EVZ selbst erstaunlich offen zugibt. So kommt Lengwiler auch in der offiziellen Mitteilung gar nicht zu Wort. Dies ist insofern irritierend, weil Lengwiler der direkte Vorgesetzte des Zuger Sportchefs war. Auch bei der Nachfolgeregelung war er offenbar nicht involviert. Die Art und Weise ist bemerkenswert und macht gegen aussen keinen guten Eindruck.
3. Dauerstreitthema OYM
Der Stein des Anstosses soll ein Antrag von Lengwiler und Kläy gewesen sein, auf Wunsch und zum Wohl der eigenen Mannschaft, auf einen Teil der OYM-Leistungen zu verzichten. Konkret soll es darum gehen, dass viele Spieler den Wunsch geäussert haben sollen, das eigene Stadion wieder als Trainingsmittelpunkt zu nutzen. Man würde sich in der eigenen Arena heimischer fühlen, soll der Tenor gewesen ein. Sollte dies so stimmen, wie es in der „Zuger Zeitung“ zu lesen war, wäre es ein weiteres Kapitel im Dauerstreitthema, welches den Verein und sein Umfeld seit Jahren umtreibt.
Die enge Beziehung zwischen Verein und OYM
Sollten die Zeilen der „Zuger Zeitung“ der Wahrheit entsprechen, würde sich eine weitere Frage eröffnen: Warum wird die Mannschaft, der zentraler Bestandteil eines Sportvereins, nicht gehört? Da kommt die Verflechtung zwischen dem Verein und dem OYM ins Spiel. Klar ist: Die Beziehungen zwischen dem EV Zug und dem OYM sind eng. Vereinspräsident Dr. Hans-Peter Strebel hat auch das OYM ins Leben gerufen, das Stadion trägt seit der Saison 2025/26 den Namen OYM hall. Die enge Beziehung ist auch im Verwaltungsrat ersichtlich – vier von sechs EVZ-Verwaltungsräten sitzen auch im OYM-VR. Da sind Spannungen, wie es sie nun offensichtlich gegeben zu haben scheint, vorprogrammiert.
Was macht Patrick Lengwiler?
Eine bange Frage, die den Verein noch weiter erschüttern könnte. Es ist offen, wie der EVZ-CEO auf die Geschehnisse der letzten Tage reagiert hat oder reagieren wird. Aktuell wird mit dem Projekt «Keep Building», dem Ausbau des Stadions, ein weiterer Meilenstein unter der Regie Lengwilers umgesetzt. Der 48-Jährige hat massgeblichen Anteil daran, wie sich der Verein in den letzten 20 Jahren entwickelt hat. Sein Leistungsausweis ist unbestritten, zudem ist auch seine Verbundenheit zum Verein einzigartig: 2002 begann er als Juniorentrainer, 2004 wurde er Sportchef und 2012 schliesslich CEO. Sollte Lengwiler den Verein ebenfalls zeitnah verlassen, droht das endgültige Chaos oder zumindest weitere Unruhe.
So oder so kann man festhalten: Für Unmut sorgt nicht per se die Trennung von Kläy, sondern die Art und Weise. Ob sich die Berichte rund um die Thematik EVZ/OYM im Zusammenhang mit dem Abgang des Sportchefs als wahr herausstellen werden, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Ruhig wird es in der Kolinstadt wohl nicht mehr so schnell.


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